Eivissa ist durch die Geschichte geprägt
Die Vergangenheit hat an der Mauer der Altstadt Dalt Vila ihre Spuren
hinterlassen. Die strategische Lage der Insel im Mittelmeer und die
Tatsache, dass sie ständigen Piratenüberfällen ausgesetzt war, führten
während der Renaissancezeit zum Bau dieser Mauer. Der italienische
Baumeister Giovanni Battista Calvi nutzte zum Teil die schon
existierende arabische Mauer und bestückte sie mit Bollwerken für
Artillerie. Dieses große Bauwerk wurde allerdings von einem anderen
italienischen Baumeister, Giacomo Paleazzo, der unter dem Namen 'EI
Fratfn' bekannt war, beendet. Er führte in das Projekt bedeutende
Änderungen ein, wie zum Beispiel die Einschließung des Puig de Santa
Llúcia in die Festung. Letzterer wurde zum Bollwerk mit dem gleichen
Namen und stellt heute einen großartigen Aussichtspunkt dar. Innerhalb
der Mauer findet man viele für die Geschichte der Stadt und der Insel
sehr bedeutende Gebäude, wie zum Beispiel die der Jungfrau vom Schnee
geweihten und in der Zeit vom 14. bis 18. Jahrhundert erbauten
Kathedrale. Gleich in der Nähe stehen auch der Bischofspalast, das Haus
der Kurie und das Archäologische Museum von Ibiza, das früher die
höchste Regierungsinstitution der Insel beherbergte, die sogenannte
Universität. Neben mehreren kleinen kunsthistorisch wertvollen
Stadtpalästen und Herrenhäusern gab es innerhalb der Festung auch ein im
16. Jahrhundert errichtetes Dominikanerkloster, das heutige Rathaus, die
Kirche Hospitalet und das Kloster El Convent.

Dalt Vila - ein Welterbe
Authentisch, technisch perfekt, außergewöhnlich und in einem exzellenten
Zustand, mit diesen Worten belegte die UNESCO die historischen Güter
Ibizas, die sie im Jahr 1999 zum Welterbe erklärte. Der Großteil dieser
Güter befindet sich in der Stadt Eivissa, aber die Unesco zählt dazu
auch eine archäologische Fundstätte in Sant Josep und ein Naturerbe. Die
Welterbeerklärung Ibizas erhält dadurch einen außergewöhnlichen
Charakter. Die befestigte Altstadt Dalt Vila und die phönizisch-punische
Nekropole am Puig des Molins — weltweit die größte jener Zivilisation —,
die Reste der phönizischen Niederlassung in Sa Caleta (Sant Josep) und
die Seegraswiesen um Ibiza und Formentera wurden als Welterbe anerkannt.
Dalt Vila gilt als perfektes Beispiel für eine befestigte Akropolis, die
Spuren der verschiedenen Zivilisationen bewahrt, die sie bewohnten. Ihre
Festungsmauer ist, laut Unesco, ein einzigartiges Beispiel für das
Modell militärischer Bauten, das später in die Neue Welt exportiert
wurde. Die Niederlassung in Sa Caleta war die erste Siedlung auf Ibiza.
Ihre Reste befinden sich in einem ausgezeichneten Zustand. Die Nekropole
am Puig des Molins war der Friedhof der Stadt Aiboshim. 50.000
Quadratmeter Fläche und fast 3.000 Hypogäen oder unterirdische
Grabkammern machen sie zur größten ihrer Art. Die Wiesen des Seegrases
Posidonia oceänica (Neptunsgras) gibt es nur im Mittelmeer. Sie
garantieren eine hohe Biodiversität und sind um Ibiza und Formentera
herum sehr ausgedehnt und gut erhalten.
Eivissa - Dalt Vila
Heraufbeschwörung des Mittelalters
Um die Erklärung Dalt Vilas zum Welterbe zu feiern, ließ sich die
Stadtregierung von Eivissa ein alljährlich wiederkehrendes Fest
einfallen, das die historischen Werte der Altstadt hervorhebt. Es
versetzt den von der Stadtmauer umgebenen Teil seit fünf Jahren an jedem
zweiten Maiwochenende ins Mittelalter. Der mittelalterliche Jahrmarkt,
Eivissa Medieval mit all seinen Protagonisten, wie Gaukler, Ritter,
Moritatensänger und ähnliche Komparsen, zieht Tausende von Menschen an,
die sich von ihm verzaubern lassen wollen. Das ganze Wochenende über
wird die mit Fahnen, Standarten und Stoffbahnen geschmückte Altstadt
regelrecht von Bettlern, Inquisitionssoldaten, Hexen, Troubadouren und
Rittern eingenommen. Vor der Kulisse der Handwerker-und
Jahrmarktsstände, an denen man unter unzähligen Artikeln Kräuter,
Gewürze, Schokolade, Kerzen, Produkte von Seifensiedern und arabische
Süßigkeiten erstehen kann, inszenieren sie Fechtszenen, Sitzungen der
Inquisition, mittelalterliche Hochzeiten und vieles mehr. An den drei
Tagen werden im Innenhof des Rathauses und in der danebenliegenden
Kirche mittelalterliche Theaterstücke aufgeführt und Musik aus jener
Zeit interpretiert. Arabische Tänzerinnen treten auf und Falkner führen
ihre Kunststücke vor. Ziel des Festes ist, die Altstadt mit dem Leben zu
füllen, das es einst in ihr gegeben haben muss, und das Welterbe bekannt
zu machen.